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Wie ist aus Ungarn eine Steueroase geworden?

Wie aus Ungarn eine Steueroase geworden?

Mit einem Steuersatz für multinationale Unternehmen von nur 7,5 % wurde aus Ungarn in den letzten Jahren eine Steueroase wie Irland, Zypern oder Malta, die schon länger dafür bekannt sind. Multinational tätige Unternehmen erhalten derzeit nur in den Benelux-Staaten mehr staatliche Vergünstigungen als in Ungarn.

Gleichzeitig kann der Steuersatz eines Landes nicht als Indikator ökonomischen Wachstums gesehen werden: die niedrigsten Steuersätze in der EU sind in den ärmsten Mitgliedsstaaten zu finden. „Je größer ein multinationales Unternehmen ist, desto weniger Steuern muss es zahlen“ – fasst Petr Janský, Professor an der Charles Universität in Prag nach der Analyse von Daten von „Orbis“ in der Periode von 2011 bis 2015 zusammen. Daraus ist auch ersichtlich, dass internationale Unternehmen deutlich weniger Steuern zahlen, als eigentlich gesetzlich festgelegt ist.

Petr Janský fand auch heraus, dass der niedrigste Steuersatz von 2.2% in Luxembourg zu finden ist, während der Steuersaz 2015 in Ungarn 7.5% betrug. Recherchen haben ergeben, dass sich dieser sogar verringert hat: Die dreißig größten multinationalen Unternehmen zahlten 2017 nur 3.2% Steuern auf ihre Profite, was zu Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Forint für die ungarische Wirtschaft führte.

Der Fokus dieser Recherche war es herauszufinden, was der rechtlich vorgeschriebene Steuersatz war und wie viel Unternehmen im Vergleich zur Körperschaftssteuergrundlage in diesem Zeitraum wirklich zahlten. Normale Unternehmen können ihre Steuersätze erhöhen oder verringern, aber multinationale Unternehmen sind hier noch besser aufgestellt, da kleinere Unternehmen oftmals nicht die Expertise, das „know-how“ und den Internationalen Hintergrund haben, den es hierfür braucht. Deswegen zahlen die kleinen Unternehmen proportional gesehen mehr Steuern.

Zwischen 2010 und 2016 lag die Körperschaftssteuer in Ungarn bei 19%, für Unternehmen mit einem Einkommen unter 500 Millionen Forint (1,5 Millionen Euro) lag sie bei 10%. Ab 2017 lag die Steuer für alle gleich bei 9%.

Zwischen 2011 und 2015 hatten multinationale Unternehmen nur in den BeNeLux-Staaten mehr Steuervorteile als in Ungarn.

Eine klare Sicht auf die Steueraktivitäten multinationaler Unternehmen zu bekommen wird in Europa immer schwerer – das einzige was man mit Sicherheit sagen kann ist, dass ihre Besteuerung so niedrig ist, dass sie an der Grenze der Legalität liegt. 2016 schlug das europäische Komitee vor, dass Unternehmen, die in der EU mehr als 750 Millionen Euro Profit machen, ihre finanziellen Daten pro Land offenlegen sollten, damit es nachvollziehbar ist wo und wie viel Steuern sie gezahlt haben. Das europäische Parlament unterstützte diesen Plan, er wurde jedoch letztendlich wegen wirtschaftlichen Drucks nicht in die Tat umgesetzt.

Es gibt ein “Steuerrennen” zwischen multinationalen Unternehmen, die immer größere finanzielle Vorteile von den jeweiligen Ländern bekommen. Ungarn ist besonders ein Ziel der Automobilindustrie und Montageunternehmen, aber auch Google und Facebook wachsen dort wegen der niedrigen Steuersätze: Innerhalb von 6 Jahren „nahmen“ diese beiden Unternehmen Ungarn 53 Millionen Euro. 

 

Quelle: https://dailynewshungary.com/hungary-to-become-a-tax-haven/